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Berwick Rangers FC |
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BBC Football kicker.de |
Morton Unofficial |
27.12.2004, Shielfield Park, Bells Division 2 |
Die Berwick Rangers stellen eine Kuriosität im europäischen Fußball dar, da das im äußersten nördlichen
Zipfel Englands Berwick upon Tweed beheimatete Team Mitglied im Schottischen Fußballverband ist und als solches
am Ligabetrieb in Schottland - zur Zeit der 2nd Divsion - teilnimmt. Zwar kommt es öfter vor, daß sich Clubs aus
Verbänden ohne Profiliga dem Nachbarverband angeschlossen haben, so nehmen beispielsweise drei walisische Clubs - wo es lange gar
keine und inzwischen eine halbprofessionelle Liga gibt - in England teil und der liechtensteinische FC Vaduz in
der Schweiz, in Verbänden mit eigenem Profibetrieb ist dergleichen eher nicht üblich und man dürfte in Europa mit
dem Derry FC (der als nordirischer Verein an der Liga der Republik Irland teilnimmt, nachdem man wegen Sicherheitsbedenken
aus dem Spielbetrieb der Irish FA ausgeschlossen worden war) einzigartig sein. Größere Erfolge konnten die Endländer freilich nicht
erringen und man spielte stets in den unteren Ligen und so gilt als größter Erfolg der Vereinsgeschichte überhaupt, daß Berwick
am 28. Januar 1967 den übermächtigen Namensvetter vom Rangers FC aus Glasgow mit 1:0 aus dem schottischen Pokal werfen konnte, was
auf der Homepage der heutigen Hausherren noch immer als the biggest ever cup shock in the world gefeiert wird und nebenbei dazu führte, daß die 'Huns' so beschämt waren, daß sie ihre vorherigen Bestrebungen einer Neustrukturierung des Ligafußballs, bei der auch Berwick den League-Status verlieren sollte, aufgegeben haben. Der Greenock Morton FC hat dagegen echtes Tafelsilber, das man im Briefkopf führen kann: 1922 holte man übrigens auch durch ein 1:0 über den Rangers FC den Scottish FA-Cup und überhaupt bewegte man sich lange Zeit in der Schottischen Fußballelite, aber seit dem Abstieg nach der Saison 1987/88 gab es für das nach den Morton Terraces benannte Team, der Gegend, aus der der Großteil der Vereinsgründer kam, keine Rückkehr mehr in die Eliteliga.
Für beide Teams ist es von vitalem Interesse, heute drei Punkte an Land zu ziehen. Die Berwick Rangers gehen als Tabellenletzter in die
Partie und müssen befürchten, zum Saisonende in die Third Divison abzusteigen, während Morton als Tabellenvierter noch hoffnungsvoll nach oben blickt, wo aber das Spitzenduo Stranrear und Brechin mit zehn und neun Punkten Vorsprung vor den Kickern aus Greenock zu enteilen droht. In der Anfangsphase ist eine Überlegenheit der Gäste augenfällig und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, daß Morton in Front geht. Der Treffer fällt dann aber doch auf der anderen Seite, als ein leicht abseitsverdächtiger Querpaß für eine 1:1-Situation sorgt, in der Torhüter Coyle zwar zunächst noch abwehren kann, aber gegen den Nachschuß von Clarke keine Chance hat. Das Führungstor sorgt für einen Umschwung des Moments und jetzt sind es die Hausherren, die die besseren Chancen haben und Morton hat es seinem Keeper zu verdanken, der nach 28 Minuten das Leder in einer Situation wie beim 1:0 festhalten kann, daß es nicht zu einem höheren Rückstand kommt. Vielmehr heißt es vier Minuten später sogar 1:1 und diesmal ist es der Goalie von Berwick, der die allerdings unrühmliche Hauptrolle spielt und einen nicht allzu harten Schuß unter seinem Körper durchrutschen läßt. In der zweiten Hälfte wollen beide Teams zum Siegtreffer kommen, so daß sich ein offenes Spiel mit vielen Chancen ergibt und eine Viertelstunde vor Schluß fällt der Treffer zum 1:2 per Flachschuß ins lange Eck. Die Rangers geben sich aber nicht geschlagen und bestürmen das Tor des Gegners bis zur letzten Spielminute und darüber hinaus, so daß in der Nachspielzeit doch noch der kaum erhoffte Ausgleichstreffer fällt. Zunächst kann mit Keenan ein Feldspieler von Greenock Morton auf der Linie klären, aber Berwicks Little hat aus kurzer Distanz keine Mühe, das Leder doch noch im Tor der Gäste unterzubringen.
Wie ihr Team auf dem Platz können am Anfang auch die Anhänger aus Greenock
die Partie stimmungsmäßig dominieren, wobei auch das vom
Rangers FC bekannte Hello! Hello! zum Repertoire der Gästefans gehört. Die Heimfans werden erst durch den Führungstreffer aufgeweckt, den sie mit erhöhter Aktivität quittieren, so daß es jetzt auch von Berwick-Seite Sprechchöre gibt und die teilweise nicht einmal so leise. Zwischendurch kommt es immer mal wieder zu leiseren Phasen, wobei die Heimfans vor allem an You're a waste of money! einen Narren gefressen zu haben scheinen, das jeder Gegenspieler zu hören bekommt, dem eine Aktion mißlingt. Obwohl es keinerlei Anzeichen für größere Umstimmigkeiten gibt, wird übrigens auf Fantrennung geachtet und die Heimfans sind auf der Heimtribüne, die Gästefans dagegen auf der Gegentribüne untergebracht. Eintrittskarten gibt es übrigens gar nicht bei Heimspielen der Berwick Rangers, man bezahlt am Drehkreuz und betritt den Ground, wo man sich seinen Platz im Rahmen der Fantrennung nach Gutdünken aussuchen kann, ob man nun stehen oder sitzen will. Das oben abgebildete 'Ticket' ist dann auch aus dem Vereinsheft 'zusammengebastelt'.
Der Shielfield Park, die Spielstätte der aus augenscheinlichen Gründen auch unter dem Spitznamen 'Borderers' bekannten Berwick
Rangers, bietet gut 6000 Zuschauern Platz und ist auf zwei Seiten - den Längsseiten - ausgebaut sowie auf einer weiteren ebenerdig begehbar. Der Platz verfügt über eine Art Laufbahn, die mit schwarzer Asche gedeckt und nicht ausgezeichnet ist, aber für einen etwas größeren Abstand der Zuschauer vom Platz als auf der Insel allgemein üblich sorgt. Vor dem Stadion findet sich das Verwaltungsgebäude der Rangers, das mit einem Vereinszeichen verziert ist, das übrigens dreigeteilt das Wappen Berwicks mit Baum und Bär sowie die Löwen Englands und Schottlands zeigt und auch zeigt, daß die Rangers eine Brückenfunktion zwischen beidem einnehmen. Die Hauptribüne geht über fast die volle Platzlänge und ist auf der einen Hälfte mit schwarzen Sitzen ohne, auf der anderen Hälfte mit teils weißen und teils roten Sitzen mit Rückenlehnen ausgestattet, während die deutlich kleinere Überdachung der Gegenseite zwischen zwei der vier Flutlichtmasten dieser Seite paßt, die gegenüber teilweise im Sichtfeld der Zuschauer vor der Tribüne stehen. Die Stufen beschränken sich auf der Gegenseite allerdings nicht auf die Überdachung, sondern laufen auf beiden Seiten über die volle Seite weiter. Nach außen ist die Anlage übrigens komplett durch eine Mauer sichtgeschützt, so daß Zaungäste keine Chance auf kostenlosen Spielgenuß haben.
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